Badische Zeitung

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Kühn geschwungene Brücke vom Barock zur Gegenwart

Das Ensemble Découvertes macht in der Mahlberger Schlosskirche seinem Namen mit Werken von Boismortier bis Büsing alle Ehre.

MAHLBERG. Das Ensemble Découvertes aus Freiburg sind Constanze von Baußnern (Traversflöte), Martin Rupp (Barockvioline), Stephanie Dauer (Barockcello) und Michael Hartenberg (Cembalo). Sie haben sich unbekannteren Komponisten der Barockzeit verschrieben und geben bei zeitgenössischen Komponisten Werke für alte Instrumentierung in Auftrag.

Davon konnten sich die Zuhörer am Samstagabend in der Mahlberger Schlosskirche überzeugen. Auf dem Programm standen Werke von William Williams (? bis 1701), Giovanni Benedetto Platti (1697 bis 1763), Joseph Bodin de Boismortier (1689 bis 1755), Otfried Büsing, aktuell Professor für Musiktheorie an der Musikhochschule Freiburg, und Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767).

Vor der Pause erlebte man nach einem Eingewöhnungsstück in die warm-weiche Klangwelt Williams Sonata in a-moll, ein engagiertes Musizieren. In Giovanni Plattis Ricercata D-Dur wird sehr schön das Folgen der Stimmen von Violine und Cello herausgearbeitet, charaktervoll, plastisch, munter, dann verschmelzend, kraftvoll. Im dritten Satz ist das Wechselspiel sensibel. Wie zwei ineinander gewobene Bänder läuft die Musik. Von D-Dur geht es mit Boismortier in die Parallel-Tonart h-moll. Seine Suite bleibt anfangs fast minimalistisch, nur wenige Töne umspielend. Sie ist typisch barock von zahlreichen Motivwiederholungen gekennzeichnet, der dritte Satz ist feierlich, der vierte virtuos mit viel Fingerfertigkeit in Violine und Flöte, während die anderen beiden Instrumente hier Begleitfunktion haben, der fünfte Satz nimmt die Zuhörer richtig mit. Die Ausführung der folgenden Triosonate G-Dur von Platti zeigt das hohe musikalische Können der Musiker: Pinselschwünge, Tupfen, Girlanden meint man zu sehen. Im dritten Satz fällt ein penetrant ziehendes Motiv auf.

Dann kündigt Michael Hartenberg die neue Musik, das Stück von Otfried Büsing „de loin“ (2013). Es entführt in eine spannungsreiche und die Phantasie anregende Klangwelt. Die Spieltechniken sind gänzlich andere, wenn die Cembalo-Tastatur mit einem Brett vollkommen herunter gedrückt wird, ein Haushaltsquirl beim Anschwingen der Saiten zum Einsatz kommt oder die Flöte die Töne vibrieren lässt und der Hals von Violine und Cello zum Rutschbrett wird. Man mag sich eine Unterwasserwelt vorstellen, in der Luftblasen hier und da aufsteigen, dann wird es im Charakter herb, dumpf, schleichend, im dritten Satz zwischendrin gar unheimlich. Das Cembalo erhält einen furiosen Part und schließlich mündet alles in ein Versinken. Größer könnte der Kontrast nicht sein. Es folgt Telemann: Spiellust, zauberhaft, liebreizend. Das Konzert erfüllte Herz und Seele.

– vom 01. Oktober 2013
(Zum Artikel Stand: 14. 07. 2015)


Eine Reise zwischen Barock und Moderne

Ensemble Découvertes begeistert die Zuhörer beim Konzert in der Schlosskirche

Mahlberg (mm). Das Freiburger Ensemble Découvertes hat sich auf die Fahne geschrieben, Werke aus vergangener Zeit dem drohenden Vergessen zu entreißen und zeitgenössische Musik auf historischen Instrumenten zu spielen. Eine Mischung, die in der Mahlberger Schlosskirche großen Gefallen beim Publikum gefunden hat.

Zum einstieg hatten Constanze von Baußnern (Traversflöte), Stephanie Dauer (Barockcello) und Michael Hartenberg (Cembalo) die „Sonata in A-Moll“ von William Williams gewählt. Schon beim ersten Stück brillierte das Gast-Quartett durch eine ausdrucksstarke Interpretation. Giovanni Benedetto Platti ist als italienischer Komponist des Spätbarock und Hofkapellmeister deutscher Fürstbischöfe nicht einer breiten Masse bekannt – zu Unrecht. Seine „Ricerta in D-Dur“ für Cello und Violine weist temperamentvolle und zugleich lieblich-filigrane Sätze auf, die in ihrer barocken Ausprägung wunderbar in die Schlosskirche passten.

Plattis „Trisonate in G-Dur“ überzeugte später nicht minder durch die klare Flöte, deren Töne barocke Lebensfreude zu versprühen schien.
Noch ein Beinahvergessener: der Franzose Joseph Bodin die Boismortier. Seine „Suite in h-moll“ versetzte die Mahlberger Zuhörer in längst vergangene Zeiten bei Hofe, als barocke Schwermütigkeiten als aktuelle Schlager für die höheren Kreise galten.

Nach der Pause wechselte das Quartett in die Neuzeit. Denn: Das Ensemble hatte den Freiburger Musikprofessor Otfried Büsing gebeten, für seine historischen Instrumente ein modernes Stück zu komponieren. „De Loin“ heißt das experimentelle Werk. Schrille Töne, Disharmonien, überraschende Tempi sind für klassikverhaftete Liebhaber höchst ungewohnt. Aber: Spannungsgeladene Klangerlebnisse mit dramatisch gesetzten Effekten und Tönen wie aus anderer Welt fesselten das Publikum. Alle Instrumente wurden in ihrer Spannbreite ausgeschöpft. Schließlich setzte das Ensemble Découvertes mit Georg Friedrich Telemanns „Pariser Quartett in A-Dur“ noch ein Kontrastbonbon aus der Barockzeit drauf. Mehrere verlangte Zugaben bewiesen: Das Freiburger Quartett landete einen blendenden Erfolg mit seiner musikalischen Entdeckungsreise zwischen Barock und Modernität.

Organisiert worden war das Klangerlebnis von Pfarrer Bernd Walter. Als nächstes spielt in der Schlosskonzertreihe am 19. Oktober das Freiburger Quartett Ensemble Ardinghello romantische Stücke.

– vom 30. September 2013